Flüchtlinge oder doch besser Emigranten….

… gehören seit Lesbos/Mytilini zu unserem Seglerleben. Egal welche griechische Insel wir entlang der türkischen Küste  angelaufen sind, ob klein oder groß, die Menschen prägen den Hafen und das Stadtbild.

Die griechische Marine kontrolliert laufend die Grenzen um Flüchtlinge aus der Türkei aufzunehmen bzw. zu retten.

Als wir die Küste von Lesbos entlang fuhren, sahen wir viele orange Rettungswesten an der Küste. Auch ein defektes Schlauchboot haben wir auf dem Wasser gesichtet.  Wir waren sensibilisiert und haben mehr als gewöhnlich die Wasseroberfläche beobachtet – immer mit dem mulmigen Gefühl evtl. Emigranten zu entdecken.

In Chios haben wir erlebt, wie Flüchtige aus maroden Schlauchbooten gerettet und mit dem Küstenwachboot in den Hafen gebracht wurden.

In Leros, Lakki Bucht/Hafen da haben wir aus nächster Nähe beobachtet, wie Sie die Zeit überbrücken bis es weiter geht. Sie stehen ruhig an der Hafenpolizei an und warten teilweise stundenlang zu hunderten, bis Sie registriert sind oder einen Ausweis bzw. auch ein Ticket erhalten, wir wissen es nicht genau.

Da wir logischerweise auch in Hafen/Marinas anlegen, werden wir mit den Emigranten, es sind wohl überwiegend Menschen aus Syrien,  konfrontiert.  Nicht dass sie uns belästigen! Wir sehen Sie, wie sie in kleinen Gruppen, Familien- oder Freundeskreis leben, warten dass Sie weiter kommen. Sich im Meer waschen, ihre Kleidung mit Salzwasser säubern und an Geländern zum Trocknen aufhängen. In Zelten im Park sich vor der Sonne schützen und schlafen.  Die Flüchtlinge verhalten sich ruhig, man hört kaum ein Kind schreien oder sonstige Unruhe. Sie wirkten auf uns nicht ängstlich, eher zufrieden. Frieden, keinen Bomben und keinen Heckenschützen ausgesetzt zu sein. Die Kinder können ihn Ruhe spielen und es gibt sauberes Wasser, Essen und Ruhe – auch wenn sie teilweise im Freien schlafen. Auch beim Baden sind sie recht ausgelassen und toben, wie alle Kinder der Welt, im nassen Element.

Das was die Emigranten durchleben, ist etwas was wir uns nicht vorstellen können, zu mindestens die Generation nicht, die nach dem 2. Weltkrieg geboren ist. Unsere Eltern haben da ja auch einiges erlebt.

Wir haben uns bei den vielen Gesprächen im Cockpit über das Thema Emigranten auch gefragt, warum wir beschämt wegsehen, die Straßenseite wechseln um keinen Blick auf sie werfen zu müssen? Dabei festgestellt, dass wir uns hilflos ihnen gegenüber fühlen und uns vielleicht auch schämen?

Ein kleines Erlebnis hat uns sehr geprägt und unser Verhalten geändert. Wir sind in der Lakki Bucht vom Cafe zurück in die Marina gegangen. Gegenüber vom Park, wo ihnen Zelte zur Verfügung gestellt wurden, standen einige junge Emigranten auf dem Weg. Als sie sahen, dass wir geschlendert kamen, machten sie einen Schritt zurück um uns den Weg freizugeben und begrüßten uns mit einem Lächeln und den Worten „very welcome“. Wir erwiderten den freundlichen Gruß und mit einem Lächeln.  Es war als wäre das Eis bei uns gebrochen.

Wenn die Emigranten hier von der Küstenwache an Land gebracht werden, ist in ihren Gesichtern (so meinen wir) einerseits ein Glück zu spüren, es hierher geschafft zu haben. Aber auch sehr viel Traurigkeit und Angst vor der ungewissen Zukunft zu erkennen. Wir sahen eine Gruppe von ca. 150 Leuten und waren schockiert, denn so stellen wir uns die Flüchtlingstrecks in den Kriegen vor.

Am Abend, als die Fähre (nach Piräus) sich angekündigt hat, begaben sie die Passagiere zum Fährhafen, direkt an uns bzw. der Marina vorbei. Damit die Zufahrt zur Fähre nicht durch Schaulustige behindert wird, hat die Polizei kontrolliert und nur Personen bzw. Autos mit Ticket durchgelassen.  Die Emigranten, die Papiere und ein Ticket hatten, wanderten auch zum Fährterminal. Als die Polizei auch sie kontrollierte und sie ihr Ticket vorzeigen mussten, war ein Strahlen zu erkennen, das uns tief beeindruckt hat. Sie haben in der Regel nur einen Rucksack mit ihren Habseligkeiten, keine 23kg die ein Fluggast mitnehmen darf, eine Plastiktüte wohl mit essbaren und Wasserflaschen. Es geht wieder ein Stück weiter, auch wenn wir glauben, dass die wenigsten wissen was sie erwartet und wie es dann weiter geht, aber die Hoffnung macht ihnen Mut.

Auch hier in Kaylmnos/Pothia im alten Hafen, wird das Stadtbild von Emigranten geprägt. Wir grüßen sie und wechseln nicht mehr die Straßenseite, lächeln und es wird mit einem Lächeln geantwortet. Es ist eine Normalität geworden, die Emigranten.

Es ist uns einfach ein Bedürfnis unsere Gedanken diesbezüglich wieder zu geben – es uns von der Seele schreiben. Wir haben kein Patentrezept wie das Problem – menschlich! – beseitigt werden kann. Aber uns ist klar geworden, dass auf politischer Ebene dringend Handlungsbedarf herrscht. Wir bemühen uns „Kleinigkeiten“ die nichts oder wenig kosten zu geben. Das kann ein jeder.

Schlauchboot .. das was noch übrig ist Schlauchboot von Flüchtlingen

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