Der Ätna (Etna) ….
….. ist Europas mächtigster Vulkan. Mit einer Höhe von 3352 Metern dominiert er weithin sichtbar die Ostküste Siziliens. Immer wieder trägt sich an seinen Flanken Dramatisches zu: Erdbeben erschüttern die Region, Aschewolken verdunkeln den Himmel, und Lavaströme zerstören Häuser hoch oben am Vulkan. Seit Äonen lenkte der Ätna das Geschick der Menschen in seinem Wirkungskreis. So verwundert es nicht, dass der Vulkan in der Antike als Wohnsitz verschiedener Götter galt und einen festen Platz in der Mythologie Siziliens hat.
Seinen Namen erhielt der Ätna wahrscheinlich aus dem indogermanischen und bedeutet so viel wie „brennend“. Die Sizilianer nennen den Ätna auch „Mongibello“ was einfach „Berg“ bedeutet. Die internationale Schreibweise des Vulkans ist Etna.
Erst spät kamen die Menschen dahinter welche Kräfte für den Vulkanismus verantwortlich sind. Das an dieser Stelle Siziliens der Ätna entstand liegt an der besonderen tektonischen Situation Süditaliens. Der Untergrund Siziliens ist alles andere als stabil. Im Mittelmeer südlich der Insel verläuft die Plattengrenze zwischen Afrika und Europa. Ein Teil der Afrikanischen Platte schiebt sich unter den europäischen Kontinent und wird im Erdmantel aufgeschmolzen. Entlang der Westküste Italiens schiebt sich der Gebirgsrücken des Apennins auf. Dies führt zu einer Host- und Grabenstruktur mit einem Rift. Entlang der Nordküste Siziliens verläuft die Comiso-Messina-Störung, an der einst die Straße von Messina absackte und auf diese Weise Sizilien vom Festland trennte. Der Ätna entstand in der Region in der sich diese beiden Störungssysteme kreuzen. Neben diesen beiden senkrecht aufeinander treffenden Störungszonen gibt es im Grundgebirge des Ätna noch weitere lokale Verwerfungen. Viel Bewegung ist in der Pernicana Störung, auf der Nordseite des Vulkans. Sie streicht grob in West-Ost Richtung und ist Schauplatz zahlloser Erdbeben und Bodenabsenkungen. Diese komplexe tektonische Situation begünstigt die Entstehung und den Aufstieg von Magmen. Zudem treten entlang der Störungszonen immer wieder starke Erdbeben auf – wie jenes vom 28. Dezember 1908. Bei diesem großen „Beben von Messina“ starben mehr als 100.000 Menschen. Die Menschen auf Sizilien leben mit der ständigen Bedrohung durch Naturkatastrophen. Selbst Palermo, die Hauptstadt Siziliens bleibt davon nicht verschont.
Die Magmakammer des Ätna
Seismische Messungen ergaben, dass sich das Magma unterhalb des Ätna in drei Magmakammern sammelt. Die größte von ihnen befindet sich in ca. 30 Kilometern Tiefe; eine zweite Magmakammer liegt ca. zehn Kilometer darüber. Die dritte und kleinste Magmakammer liegt nur zwei Kilometer unterhalb des Gipfels; dort liegt der eigentliche Vulkan auf dem Grundgebirge auf. Diese Magmakammer hat eine schwammartige Struktur: Das Magma sammelt sich in Poren oder kleinen Taschen im Gestein. Phasen anhaltender Tätigkeit zeugen von einem offenen Schlotsystem und einem mehr oder weniger hohen Magmastand im Förderschlot. Steht das Magma tief, dampft der Vulkan nur; bei hohem Magmastand kommt es zu strombolianischen Ausbrüchen in den Zentralkratern. Bei einem Ungleichgewicht dieses Zustandes ereignen sich laterale Flankeneruptionen; dann sucht sich das Magma – ausgehend vom zentralen Förderschlot – seinen Weg entlang bestehender Störungszonen im Vulkan. Bei exzentrischen Ausbrüchen sucht sich das Magma unabhängig vom zentralen Fördersystem einen Weg. Es entsteht dann ein neuer Vulkan auf der Flanke des Ätna. Die Ausbrüche, bei denen solche Parasitärkrater entstehen, fördern meist große Magmamengen, und es kommt zu starken Explosionen.
Die jüngsten Ätna-Paroxysmen
Im Januar 2011 fing eine neue Phase paroxysmaler Eruptionen an. Innerhalb eines Jahres gab es 19 paroxysmale Eruptionen, bei denen der „Neue Südostkraterkegel“ wuchs. Dieser bildete sich östlich des bisherigen Südostkraters. Unter Paroxysmen versteht man Vulkanausbrüche die langsam anfangen und sich nach einer Vorspielphase schnell zu einem starken Ausbruch steigern. Die Vorspielphase ist durch sporadischen Ascheauswurf und strombolianische Eruptionen gekennzeichnet. Sie kann schon Tage vor der Hauptphase des Paroxysmus beginnen. Wenige Stunden vor der Hauptphase des Ausbruches verkürzen sich die Pausenintervalle der kleinen Eruptionen immer weiter, bis eine kontinuierliche Aktivität stattfindet. Der Anfang des eigentlichen Paroxysmus ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die strombolianische Tätigkeit zu einer Lavafontäne steigert, die einige hundert Meter hoch sein kann. Eine Eruptionswolke aus Lapilli, Vulkanasche und Dampf steigt mehrere Kilometer hoch auf und ein Lavastrom beginnt zu fließen. Die Hauptphase ist recht kurzweilig und dauert meistens zwischen 30 und 90 Minuten. Die Schlussphase dauert in der Regel nur wenige Minuten und ist oft durch einzelne starke strombolianische Explosionen gekennzeichnet. Paroxysmen finden am Ätna meistens in Zyklen statt. Die Intervalle in denen die Ausbrüche aufeinander folgen sind nicht konstant, allerdings gibt es gelegentliche Muster an denen sich Vulkanbeobachter orientieren können. Die Pausen zwischen den Paroxysmen liegen oft zwischen 6 Tagen bis 8 Tagen. Es kam aber auch schon vor, dass mehrere Paroxysmen in Intervallen von 12 Stunden stattfanden. Auf der anderen Seite können die Pausen auch bis zu 8 Wochen dauern. Der letzte Ausbruch dieser Phase fand im April 2012 statt.
Der bisher jüngste Eruptionszyklus begann im Februar 2013. Bis zum November des Jahres ereigneten sich 20 paroxysmale Vulkanausbrüche. Einige der Eruptionen waren so stark, dass metergroße Lavabomben in einer Entfernung von 500 m von der Basis des Neuen Südostkraters gefunden wurden. Bei einer Eruption wurde der Pizzo Deneri mit glühenden Bomben eingedeckt und bis zu 40 cm große Schlacken wurden im Wald bei Citelli gefunden. Wanderer kamen dort in ernste Schwierigkeiten. Zahlreiche Bäume starben im Norden des Ätnas ab. Meistens zogen Vulkanasche und Lapilli in nordöstlicher Richtung und beeinträchtigten das öffentliche Leben in den Gemeinden bis zur Küste hinunter.
Im Jahr 2014 kam es zu sporadische Paroxysmen, deren Explosivität geringer war, als bei den Ausbrüchen im Vorjahr. Dafür förderten sie mehr Lava effusiv und dauerten mehrere Tage. Die Lavaströme unterbrachen die Piste am Torre del Filosofo und flossen bis zum Aussichtspunkt „Belvedere“. Im Juli verlagerte sich das eruptive Geschehen an die Basis des Nordost-Krater-Kegels. Dort öffnete sich eine kleine Spalte und es entstanden einige Hornitos die strombolianisch tätig waren und kurze Lavaströme förderten. Im August übernahm der Neu Südostkrater diese Art der Tätigkeit.

Steckbrief
Lage: 37,73°N 15,00°E Italien
Höhe: 3352 m
Art: Schild-Vulkan
Typ: Kontinentalrand
Petrographie: basaltisch
Ausbruchsart: Lavaströme, vulcanisch, strombolianisch
Info: www.vulkane.net
