Das war ein Nachmittag…..
Der Wind kam wie angekündigt mit gut 25 Knoten gegen Mittag. Alles war gut unser Anker hielt. Herwart Nickerchen gemacht und ich im Cockpit gelesen. Immer wieder mal einen Blick in die Runde geworfen einfach so zur Sicherheit, man(n) Frau fühlt sich halt wohler. Gegen 13 Uhr mhhh Herwart komm mal gucken, irgendwie stimmt unsere Lage nicht mehr. Skipper nach vorne zum Anker…. Stimmt… Anker hält nicht mehr, Motor an.
Bis gut eine Stunde vorher haben – sorry Franzosen – die nur 2m vor unserem Boot mit ihrer Segelyacht geankert hatten und die Nacht verbracht, abgelegt. Alles ging gut. Wir hatten schon beim Legen ihres Ankers Hinweise gegeben, leider wurde unsere Anregung „in dieser Linie liegt unser Anker“ nicht beachtet, ihre Kette lief weiter. Da wir unseren Anker gestern sehr gut getestet hatten und er perfekt saß, wohl heute durch die Ketten oder den Anker der Nachbarn doch versetzt wurde. Dieser sich dann gelöst hat und als der Wind richtig aufkam, fing er an zu slippen.
Also Anker gezogen und ca. 8x Ankermanöver bei ca. 25 Knoten Wind und Schwell von draußen gefahren, der Scheiß (sorry) Kerl wollte nicht mehr halten. Das gibt es doch nicht, solche Probleme den Anker zu setzen hatten wir noch nie. Dazu kam, dass wir zwischen den Yachten bei dem Wind und Schwell die Kette legen mussten, durften… wie auch immer. Der Schweiß stand uns an der Stirn und die Verzweiflung warum hält er nicht. Seit mehr als 15 Monaten tun wir nichts als fast täglich Ankern… verdammt und zugenäht was soll der Mist?
Mit fast 80m Kette hatten wir dann wieder einen halt. Trotzdem saßen wir im Cockpit immer auf dem Sprung. Der Wind trieb uns mal nach links mal nach rechts.. eine Pendelei, dazu der nun wirklich heftige Schwell. Die Vorstellung die Nacht so zu verbringen hatte echt nichts positives an sich.
Leider hatten wir im Port de Sòller immer noch keinen Platz am Steg. Heute früh ließ man verlauten wir seien an der 3. Stelle in der Warteliste und so gegen 13 Uhr könnten sie mehr sagen. Sie würden anrufen wenn ein Platz frei ist. Um 14 Uhr haben wir angefunkt und nachgefragt….. sie arbeiten daran……. Geil.
Wir sahen Boote raus fahren, was uns übrigens unverständlich ist, und die sogar nach Norden gegen Wind und Welle zogen. Ca. 2m im Durchschnitt, Welle und Wind von da…. muss man sich das freiwillig antun????
Um 15 Uhr funkte Herwart wieder….. ja sie haben einen Platz aber da fehlt die Muring…. Ohhhh das schaut ja schon besser aus. Als um 16 Uhr immer noch keine Info kam…. Wie lange braucht man eigentlich um eine Leine zu legen… aus unserer Sicht? Wir haben dies ja schon oft beobachtet, keine 10 Minuten. Na sind wir großzügig 15 Minuten. Skipper meinte ich rauche noch eine und dann Frage ich nach…. Als plötzlich Ciganka aus dem Funk in spanischer Sprache tönte…. Wir spitzten die Ohren und hörten wie zwischen dem Marineservice und Port Station über uns geplaudert wurde. Kurz danach wurden wir über Funk gerufen. Könnt ihr euch vorstellen wie schnell unsere Festmacherleinen angebracht wurden, wir in unseren Segelschuhen sprangen und der Motor gestartet wurde. Rekordzeit glaubt mir.
Herwart an seinen Arbeitsplatz Ankerwinsch und die Kette gezogen. Zu beachten war auch eine deutsche Segelyacht hinter oder neben uns, so genau lässt sich das bei dem Wind nicht sagen, deren Ankerleine immer wieder unter unseren Kiel wanderte. Alles gut und wir los zu dem Steg.
Der Marinero zeigt an in welche Lücke wir dürfen…. Na viel Platz ist da nicht… und wie es bei solchen Manövern immer ist: der seitliche Wind nimmt zu. Also mit gut Gas und schwungvoll in die Lücke… fast drinnn… schob es mich doch auf das Backbord Boot…. (hätten die mit Heck angelegt wäre kein Bumms passiert aber…). Mit vereinten Kräften kamen wir am Schwimmsteg an…. doch dieser schwankte so sehr, das man nicht wusste wie lang soll die Landleine eigentlich belegt werden. Nach gut 15 Minuten lagen wir für die Umstände gut. Wow…. Es wird eine unruhige Nacht werden aber ohne Ankerwache und Geschaukle von draußen, das ist schon eine ganze Menge wert – fast 50€.
Der Gedanke uns in den Hafen zu legen, war eigentlich, dass wir in aller Ruhe heute Mittag nach Palma düsen können. Was um 17 Uhr nicht unbedingt Erstrebens wert ist. So dürfen wir, flexibel wie wir sind, uns neue Gedanken machen wie wir die nächsten Tage agieren wollen
Herwart marschierte ins Port de Sòller Office um uns anzumelden. Nebenbei fand er einen Waschsalon bzw. Waschmaschinen zur Selbstbedienung. So haben wir bei einem kühlen Bier beratschlagt was heute noch ansteht. Ganz einfach. Wäsche ab in die Waschmaschine und anschließend in den Trockner unter dem Motto was erledigt ist erledigt. Anschließend schlenderten wir durch die Straßen und fanden in der 2. Linie ein nettes kleines Lokal wo wir Tapas genossen haben. Pünktlich zum Ende des Trockners waren auch wir fertig. Auf dem Rückweg noch Brot und Weißwein sowie Skippers Lieblings Brandy „Cardenal Mendoza“ eingekauft. Schwer bepackt zurück zu unserer schwankenden Kiste.
Schon irre zu sehen wie der Schwimmsteg hin und her schwankt….. da kommen einem die Erinnerungen vom letzten Jahr in Lesbos wo der Steg nach einem Sturm gebrochen ist. Die Yachten schaukeln mit und damit ist es ein hin und her und hin…. fehlt nur noch das Wiegenlied.
Kaum an Bord haben wir Nachrichten von unseren Kindern über den Überfall in München erhalten und auch die Info, dass es allen Familienmitgliedern gut geht.
Wir sind schockiert und können es noch nicht richtig fassen.