Wir sind daaaaaaaaaaaaaa………………

Die letzten 24 Stunden von Gibraltar – La Graciosa/Kanaren                   

Unsere Reise neigt sich langsam dem Ende  (noch ca. 22 Stunden) entgegen. Wind ist uns hold und so können wir direkten Kurs nach La Graciosa (noch ca. 110 SM, eine kleine Insel nördlich von Lanzarote) nehmen. Alle Segel sind gesetzt und wir „düsen“  mit guten 5 Knoten dahin. Mittlerweile umgeben uns wieder die langgezogenen Atlantikwellen (Dünung).

Ein Phänomen für uns …. Wind kommt aus OSO zwischen 9 und 10 Knoten die Welle mit durchschnittlich 2m aber aus WNW. Dazu gibt es noch eine Krabbelwelle (Windsee) die aus O kommt und in die Atlantikwelle einläuft. Diesem Schauspiel könnten wir stundenlang zugucken.

Wellen.. ja davor hatten wir großen Respekt, die sicherlich auch von diversen Erzählungen herrühren. Am Anfang, nachdem wir die Straße von Gibraltar gequert hatten und Kurs Kanaren aufgenommen haben, hatten wir noch die typische „Mittelmeerwelle“ kurz und knackig von hinten.  Von Mittwoch auf Donnerstag bekamen wir eine kleine Ahnung wie sich der Atlantik bewegen kann mit mehr Wind und Welle. Atlantik zeigte ein wenig seine Krallen. Es ist schon ein komisches Gefühl im Cockpit sitzen und zu sehen wie der Kamm der Welle höher ist als unsere Fahnenstange.. Ciganka hochgehoben wird und in rasanter Fahrt abwärts „stürmt“. Kaum unten angekommen fängt das Spiel von vorne beginnt.

Nach knapp 4 Stunden beruhigte sich Wind und Meer und die Atlantikwelle übernahm wieder das Zepter.

Heute Nacht hatten wir stundenlang keinen Wind und diesig war es.  Der Atlantik flach wie eine Flunder. Dies bescherte uns wieder einige Motorstunden.  Erst am Morgen begann der Wind wieder zu wehen und  wir konnten alle Segel setzen.  Der Himmel ist leicht bedeckt, der Wind und die Luft jedoch kalt auch wenn die Temperatur mit 23 Grad anzeigt wird.

Unser Tagesablauf hat sich eingespielt, auch die Nachtwachen verlaufen in entspannter Atmosphäre. Mal nach 3 mal nach 4 Stunden je nachdem wie es einem gerade ergeht wechseln wir durch.  Frühstück so um 9 Uhr – gemütlich. Dann brauchen wir so ca. 2 Stunden bis der Haushalt, Wetterbericht und Kursbesprechung erledigt ist.  Ein Skippercappu schließt diesen Abschnitt ab. Danach ist „Freizeit“ angesagt. Naja heute muss das Problem AIS Anzeige gelöst werden. Als ich heute Nacht ein AIS Signal angetippt habe, verschwand es und kam nicht wieder. Was echt blöd ist, da nur so zu sehen ist, welchen Kurs die Großen nehmen bzw. diesen Ändern wenn sie uns zu nahe kommen. Dies geschah regelmäßig, mal um 2, mal um 10 Grad. So dass sie uns in beruhigenden Abstand passierten.  Herwart arbeitet sich durch die Beschreibung durch…  mal gucken, wenn das nächste Schiff in Sicht ist ob wir eine Anzeige haben.

Auch haben wir uns heute intensiv mit unserem Ziel Graciosa auseinander gesetzt. Hafen, Buchten und uns über die Insel nun im Detail informiert.  Wir haben schon ein wenig über die Insel gehört und sind Neugierig wie wir sie empfinden werden. Vor allem wollen wir laufen, laufen, laufen….

Es ist schon ein schönes Gefühl, so dahin zu gleiten. Das Auf und Ab der Wellen, die Sonne und natürlich nicht zu vergessen, die Sonnenunter- und Aufgänge. Der Mond der heute wieder wie ein Spot das Meer und Ciganka erleuchtet hat. Die Spiegelungen auf dem Wasser und fliegenden Fische wie sie aus dem Wasser (wie eine Rakete) kommen und ein paar Runden fliegen um sich wieder ins nasse Element zu stürzen.  Ab und An sieht man auch ein paar Möwen hier draußen. Ein Erlebnis waren  die Wale zuerst einer der sich schlafend treiben ließ um kurz hinter unserem Heck vorbei zukommen und eine halbe Stunde später an unserer Steuerbordseite 3 dieser großen Tiere zu bewundern wie sie parallel zu uns schwammen.  Ihre „Springbrunnen“ und Rücken zeigten uns ihre Spur ehe sie abtauchten.

Es liegt eine friedvolle Ruhe, Entspanntheit und Gelassenheit über Ciganka. Wir haben Spaß, lachen viel, genießen die Zweisamkeit und das Abenteuer Atlantik.  Irgendwie immer noch unwirklich dass wir hier unterwegs sind. Nun kann ich ein wenig die Äußerung von Atlantik/Pazifikbezwingern verstehen wenn sie sagen:  „Was schon da? Wir könnten noch weiter segeln“. 

Die letzte Nacht war ebenso ruhig wie die vorherigen. Kaum Schiffsverkehr und der Kartenplotter zeigte schon unser Ziel. Leider ließ auch der Wind wieder nach, so dass wir wieder ein paar Stunden den Motor einsetzen durften.

Als ich um 6 Uhr die Wache übernahm, konnte man schon den Leuchtturm von Delgada mit seinem Funklicht wahrnehmen. Diese Miniinsel ist unbewohnt und liegt kurz vor Graciosa.

Bereits im Dunkeln zeichnet sich wie ein Schatten Lanzarote, Graciosa und Delgada ab. Als die Sonne aus dem Meer stieg, strahlten die Inseln im rosa Licht und wir bekamen Gänsehaut. Gleich sind wir daaaaaaaaaaaaaa. Wir sprechen es mehrmals aus um es auch wirklich annehmen zu können.

Als wir uns unserem Ziel bis auf 4 Seemeilen genähert haben, durfte Herwart aus den Federn kriechen, es war Zeit Ciganka für ein Anlegen vorzubereiten. Auch haben wir die Genua eingeholt da es sich zeigte, dass zwischen Lanzarote und Graciosa eine Düse ihr Unwesen treibt.  Bis 25 Knoten zeigte der Windgeber an und mir wurde es kurz etwas mulmig bei diesem Wind anzulegen.  Mittlerweile sehe ich diese Dinge gelassen und warte ab bis es soweit ist.

Die Info die wir im Internet über das Naturschutzgebiet erfahren haben, haben wir umgesetzt. Eine Mail an die zuständige Behörde und das soll es gewesen sein. Boote die auf der Liste stehen werden nicht kontrolliert.  Umso mehr waren wir überrascht dass uns der Hafenmeister nicht in die Marina ließ sondern wir am offiziellen Steg festmachen sollen.  Ich weigerte mich zwischen zwei Booten anzulegen. Der Wind fegte immer noch mit gut 20 Knoten und in diese Lücke passen max. 15m.  Der Beamte gab uns zu verstehen entweder hier anlegen oder wieder raus.

Trotz dass ich einen dicken Hals (grrrrr) hatte, startete ich ein Anlegemanöver. Der 1. Versuch ging in die Hose, Bugleine wieder los und raus. Beim 2. Versuch gelang es besser und Herwart sprang sofort an den Steg um auch die Heckleine nehmen zu können. Hafenmeister hatte die Bugleine belegt und half nun meinem Skipper die Heckleine zu halten (gegen den Wind) bis diese um die Klampe gelegt werden konnte. Puhhhh geschafft.

Nun wurde uns erklärt warum wir hier anlegen sollten.  Papiere anmelden… von einer Mail wissen sie nichts. Wenn alles geklärt ist, können wir in die Marina. Nachdem die Anmeldeprozedur erledigt war hieß es um 17 Uhr könnt ihr an den Steg.  Ich hätte ihn an den Hals gehen können. So ein Schmarn… warum einfach wenn es umständlich auch geht.

Wir machten einen kleinen Spaziergang durch den Ort – naja eher am Hafen entlang und waren fasziniert. Ein lieblicher Ort, fröhlich bunt und unbeschwert…. Ja das ist ein Ort an dem man ein wenig verweilen kann.  Ein Ort an dem wir die vielen Eindrücke der letzten Tage verarbeiten können um Platz für neue zu schaffen.

Um 17 Uhr also umgelegt. So wie man rein kommt geht es auch wieder raus… stimmt.   Nun liegen wir hier in einer absoluten Ruhe. Kein Wind, kein Windgenerator, ab und an mal Kinderstimmen….. die Ruhe tut fast in den Ohren weh.

Wir sind angekommen. Wow wow Wow einfach supiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii.

Ja wir sind wieder drinnnnnn im Internet. Dies haben wir kurz nach dem Anlegen gemerkt, als  viele WhatsApp und SMS eintrudelten um uns zu gratulieren.  Nicht nur die letzten Stunden waren viele Freunde Live dabei um unsere Route und Position zu verfolgen um mit dabei zu sein. Vielen, vielen Dank.

PS: Bilder der letzten Tage gibt es morgen.

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