Geil, wow, fantastisch….
… gigantisch, diese Wörter kamen uns heute über die Lippen als wir zum Nationalpark bei El Credo fuhren.
Es hat wohl etwas gedauert bis wir unseren fahrbaren Untersatz hatten. Am Rentacar war ein Zettel angebracht: bitte anrufen. Mhhh wir hatten um 10 Uhr einen Termin. Man geht also davon aus, dass jeder ein Handy in der Tasche hat. Angerufen….. komme gleich, einen Augenblick. Es war wieder mal ein spanischer Augenblick von 25 Minuten. Nun waren wir nicht mehr alleine die ihr Auto abholen wollten. Nach dem uns Einlass gewährt wurde, versuchte die Dame alle Herrschaften gleichzeitig zu bedienen, was zur Folge hatte dass nichts voran ging… Mein Skipper brachte sich mal kurz ein und meinte es wäre echt schön, wenn sie uns fertig machen würde. Das tat sie dann auch und schon hatten wir unseren Schlüssel in der Hand. Auto stand gegenüber von der Vermietung und gleich an der Marina.
Bevor es losging, wollten wir unseren Laptop noch zum Service bringen, den wir beim Bummel entdeckt hatten. Laden sollte um 10 Uhr öffnen…. Schon gut über die Zeit und keiner da. Zurück zur Marina fragten wir mal im Büro nach ob es denn…. Ja es gibt. Ein Anruf für einen Termin um 17:45 Uhr Treffpunkt Marinabüro.
Nun endlich Navi an und los ging es. Raus aus San Sebastian und sogleich begannen die Serpentinen. Auch wenn der Berg Alto de Garajonay, das Herz von La Gomera nur 1.487 Meter hoch ist hat man das Gefühl gigantisch hoch zu kommen. Immer wenn man glaubt höher geht’s nicht, zeigt es nach der nächsten Kurve doch es geht.
Auffällig dass erst ab ca. 1000m die Wälder beginnen. Vorher sind die Hänge mit niedrigen Sträuchern, Efeu, Kakteen, Aloe Vera Pflanzen etc. bewachsen. Wir, die am Alpenrand in Bayern leben, kennen das umgekehrt. Unten Wald und je höher es wird, Büsche und irgendwann ist die Baumgrenze erreicht.
Gut 5 km vor El Credo zweigen wir in eine bepflastere Straße ab und tauchen in den Feen Wald ein. In der Luft hängt der Duft von Moos, Erde und Feuchtigkeit. Es trieft aus der Erde und macht die Straße glitschig. Nur im Schritttempo geht es vorwärts auch weil die Straße so schmal und steil bergab ist, dass bei Gegenverkehr ein Plätzchen zum Ausweichen gesucht werden darf.
Es geht abwärts und wir kommen wieder aus den Wolken raus und uns zeigt sich ein herrliches Tal. Am Parkplatz stellen wir unser Auto ab und ziehen Wanderstiefel und Jacken an. Es ist kühl und feucht. Wir orientieren uns an der Wandertafel und marschieren los. An einem kleinen Bach entlang passieren wir einen Campingplatz der sich an den Hang schmiegt. Der Bachlauf ist gesäumt von Farn und weißen Blütenkelchen.
Wir erreichen einen Trampelpfad dem wir ein wenig folgen und genießen die Aussicht ins Tal, wo ein kleiner Stausee das satte Grün unterbricht. Der Ausblick geht bis nach Agula wo wir sehen wie sich der Atlantik an der Küste bricht.
Etwas außer Atem kommen wir wieder beim Auto an und stellen fest: wir haben derzeit keine Kondition.
Nun dürfen wir den Weg durch den Nebelwald wieder zurück und bleiben immer wieder stehen um die Natur zu bewundern.
Zurück auf der Hauptstraße schlagen wir die Richtung nach Agula ein. Bevor wir in den Ort kommen, schaun wir am Strand Play de Agulo vorbei und betrachten ehrfurchtsvoll das Meer wie es an die Küste anschlägt. Es sind schon ein paar gute Brecher dabei.
Herwart übernimmt nun die Navigation und prompt landen wir am Berg nach 2 km in einer Sackgasse. Bevor wir umkehren können wir zum Greifen nahe Bananenstauden und Papaya Bäume bewundern.
Wir finden dann doch noch Agula und parken außerhalb des Ortes. Wie wir in unserem Reiseführer nachgelesen haben, schmiegt sich der Ort in einem halbrunden nur zum Meer hin offenen Felskessel. Mit seinen engen Pflastergassen und schönen alten Häusern mit Ziegeldächern, dunklen Holztüren und –Fenstern sowie den weißen oder ockerfarbenen Fassaden, gilt der Ort vielen als der schönste auf La Gomera. Es soll einer der ältesten Orte auf den Kanaren sein.
Ausflug macht hungrig und durstig und so kehren wir in einem kleinen Restaurant in einer Seitengasse ein. Ein Blick auf die Speisekarte lässt uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Für Herwart gibt es Kaninchen und für mich Zicklein. Dazu Weißbrot, kanarische Kartoffeln und eine feurige Dipsoße. Das ganze gekrönt von einem kühlen (eiskaltem) Bier.
Mittlerweile, den Nachmittag gut überschritten, machen wir uns auf den Heimweg. Kurz vor San Sebastian stellen wir fest, dass die Rückfahrt schneller als Gedacht war und machen noch einen Abstecher nach Chejelipes.
Hinter dem Weiler El Langrero verwandelt sich der Talgrund in eine regelrecht Oase mit Plantagen voller Orangen, Mangos, Bananen und Avodacdos. Dazwischen stehen herausgeputzte Fincas umgeben von den vielfarbigen Blüten der Bougainvillea und den leuchtenden Rot der Weihnachtssterne, die hier regelrechte Bäume sind. Es folgen das Palmendorf San Antonio, die Weiler el Jorado und El Atajo bevor man Chejelipes erreicht. Hier verengt sich die Schlaucht merklich. In diesem Gebiet befinden sich mehrere Talsperren die flussabwärts ganzjährig für Bewässerung sorgen.
Wir machen an der ersten Talsperre kehrt. Die Straße wird immer enge und steiler…. Wir wollen doch nicht übermütig werden. Außerdem wird es Zeit, da der Termin mit dem Computerfachman ansteht.
Ein Tag mit vielen Eindrücken geht zu Ende. Die Pantry bleibt kalt, wir sind noch satt von unseren Tapas.
PS: Der Wind kachelt immer noch bis zu 9 bft durch die Marina und lässt Ciganka hin und her schaukeln. Wenn man dem Wetterbericht glauben darf, bleibt es so bis Mittwoch.